Shelter – Ein Mix der Kulturen

Anime & Manga Nerdkultur

Was kann ein Mensch nicht alles in 6 Minuten machen? Man könnte sich den Song „Bohemian Rhapsody“ von Queen in voller Länge zu Gemüte führen, in sich kehren und einen Moment des Lebens Revue passieren lassen, oder man schaut sich das emotionale Meisterwerk vom Musiker Porter Robinson an. Hierbei handelt es sich um den Kurzfilm Shelter.

In Kollaboration mit Madeon (Elektropop-Produzent) und dem japanischen Produktionsstudio A-1 Pictures wurde das Musikvideo in Animeform geschaffen. Die Musik und Geschichte stammen von Porter Robinson persönlich.

Worum geht es?


Robinsons Versuch Licht hinter den Inhalt seines Musikvideos zu bringen:

„’shelter the animation‘ tells the story of a girl living alone for all eternity in a simulation built by her father to save her from the end of the world.“

Shelter erzählt die Geschichte von der 17-Jährigen Hauptprotagonistin Rin, welche in einer virtuellen Realität lebt und uns während eines Monologs in ihrem Traum vorgestellt wird. Voller Einsamkeit und Wehmut erwacht sie aus ihrem Traum mit der Erkenntnis, dass sich ihre Welt von jetzt an nicht mehr verändern wird. Mit diesem Einstieg setzt die Musik ein und was folgt sind Minuten voller farbenfroher Bilder und der Aufbruch zu einer emotionalen Reise.

Mit einem Tablet ausgestattet, ist es Rin möglich jegliche Welt aus ihren Gedanken zu manifestieren. Bevor wir uns die Frage stellen können, warum sie in dieser Simulation ist, wieso sie diese anscheinend nicht verlassen kann und was sie mit ihrer Anfangsaussage meint, nimmt das Video an Fahrt auf. Aneinanderreihungen von malerischen Landschaften zeigen uns die Unbegrenztheit ihrer gestalterischen Möglichkeit auf.

Dabei kommt die größte Stärke des Kurzfilms ans Licht. Er schafft es uns in wenigen Minuten an der Hand zu nehmen und durch die (surreale) Gedankenwelt von Rin zu führen. Sei es, als sie gelangweilt in ihrem Zimmer liegt, voller Freude über eine schier endlose Wiese rennt, oder sich auf einer Felskante sitzend der Melancholie hingibt.

Jede dieser Szenen ergreift den Zuschauer und mit jeder weiteren Aufdeckung ihrer Geschichte, kann man nur Sympathie und Mitleid für das tapfere Mädchen entwickeln. Ich werde an dieser Stelle nicht weiter über die Gründe ihres Schicksals reden, da ich den „Aha-Moment“ nicht vorwegnehmen möchte.

Westliche Popkultur trifft japanische Animation

Die Geschichte von Shelter dreht sich um die Themen Nostalgie, Sehnsucht, Zugehörigkeit und Hoffnung. A1 (verantwortlich für Sword Art Online, Ao no Exorcist, Fairy Tail uvm.) ist schlicht und ergreifend eine atemberaubende Produktion gelungen. Die Kombination aus traditioneller Animation und CGI sind perfekt ausbalanciert und gehen Hand in Hand einher. Dazu ist die Farbkombination einfach nur top-notch. Auffällig sind der viele Einsatz von Rot und Blau, wobei Rot sehr schön die aufgeweckte Rin repräsentiert und Blau die Technologie. Der Cyber-Punk lässt grüßen. 😉

Robinson und Madeon stellen einen fabelhaften upbeat Elektropop zur Verfügung, welcher eine frohe und entspannte Stimmung aufbringt. Nach Abschluss des Videos wird man sich aufgrund dieser Songeigenschaften eventuell befremdlich fühlen, doch repräsentiert das Visuelle in Kombination mit dem akustischen genau die Dualität des Innenlebens unserer Hauptprotagonistin.

Zusammenfassend

Abschließend bleibt für mich nur zu sagen, dass Porter Robinson und seinen Kollegen ein großartiges Werk gelungen ist. Das ungewöhnliche Storytelling wird mit bildgewaltigen Szenen, ausdrucksstarken Charakteren (welche fast vollkommen ohne Worte auskommen) und einem wunderschönen Einsatz von elektronischer Musik unterstützt.

Shelter ist ein Beispiel, wie es zu schaffen ist mit wenig viel rüberzubringen und dabei nur dezent auf die Interpretationsfähigkeit der Zuschauer zurückgreifen zu müssen. Es ist ein Werk, in dem ersichtlich wird, dass es nicht immer 90 Minuten oder einen ganzen Arc braucht, um eine ergreifende Geschichte zu erzählen. Wer 6 Minuten Zeit aufbringen kann, sollte sich dieses Video unbedingt anschauen. Es hat mich ohne Umwege abgeholt und hinterlässt mich mit der Beschäftigung meiner eigenen Gedankenwelt.

Hut ab!

Khoa hat sich schon seit jeher der Anime und Mangawelt hingegeben. Da sich die Beziehung zwischen Japanern und ihren virtuellen Partnern durch den Technologiefortschritt zu intensivieren scheint, hat er es sich zur Aufgabe gemacht nach der perfekten Waifu zu suchen.