The Banner Saga 2 Review: Nordischer Epos mit viel Herzblut

Indie PC PlayStation Review Xbox

Wetzt die Äxte, füllt den Met: Versus Evils und Stoic Studios The Banner Saga 2 entführt euch auf dem PC seit dem 19.04.2016 ein weiteres Mal in die Welt von Menschen, Riesen und der gefürchteten Dredge. Das Strategiespiel der nordischen Art ist seit dem 01.07.2016 auf der XBox One und seit dem 05.07.2016 auch für die Playstation 4 verfügbar. Wir setzten unsere Wikingerhelme auf und haben die XBox One-Version für euch getestet.

Einmal Nachschlag bitte!

Nach dem abrupten Ende des ersten Teils juckte es den Fans bereits in den Fingern. Die Story deutet große Änderungen an: Eine uralte Schlangenkreatur wurde erweckt und zerreißt den Kontinent, die Horden der mechanischen Dredge rücken unerbittlich tiefer ins Reich der Menschen und Varl vor!

Doch zuerst hieß es einmal lange warten. Nicht etwa die Entwicklung des Spiels hatte sich verzögert, nein – Der Publisher King, bekannt durch die Saga Games wie Candy Crush Saga, fühlte sich an der Ehre gepackt, dass eine andere Spielschmiede sich das Wort Saga einverleiben wollte.
Letztlich kam es nun doch zu einer Einigung und Versus Evil durfte endlich den heiß ersehnten zweiten Teil Anfang April für PC releasen.

Ein Paar Wochen später folgten die Konsolenports, doch was hat sich an The Banner Saga 2 neben der Zahl im Titel geändert?
Auf den ersten Blick nicht viel. Der bombastische Soundtrack erzeugt sofort prickelnde Gänsehaut und die handgezeichneten Grafiken des Spiels reißen einen sofort mitten hinein in das nordische Setting. Bereits das voll animierte Intro, in dem die Horden der Dredge gezeigt werden, lässt schon großes Erhoffen! Doch wie schon aus Teil eins bekannt, lässt sich das Sequel erst mal ruhig Zeit.

Die Horden der metallisch klirrenden Dredge setzen deiner Reisetruppe stetig zu. © Versus Evil

Die Horden der metallisch klirrenden Dredge setzen deiner Reisetruppe stetig zu. © Versus Evil

Mal langsam mit den jungen Varl!

Bevor es richtig losgehen darf, muss zuerst der Hauptprotagonist des Spiels gewählt werden. Wer den ersten Teil gespielt hat, wird noch wissen, dass die Story zwei mögliche Ausgänge hatte. Befindet sich bereits ein durchgespielter Spielstand des ersten Teils auf der Konsole, ist es möglich seine Helden aus dem ersten Teil mit in das nächste Kapitel zu nehmen.

Das Gameplay von The Banner Saga 2 teilt sich in drei verschiedene Sätze auf: Story Dialog, die Reise der Karawane die man anführt und natürlich die rundenbasierten Kämpfe.
Wenn sich auch die erste Stunde des Spiels eher dialoglastig verhält, so verliert das Spiel keine Zeit einem zuerst das Kampfsystem näher zu bringen.

Kämpfe werden rundenbasiert ausgetragen, dabei wechselt sich jeweils ein Heldencharakter mit einem Feind ab. Es kann bewegt, attackiert oder auf Spezialangriffe zurückgegriffen werden – alles wie auch aus dem ersten Teil bekannt. Freund wie Feind besitzt einen Rüstwert, den es zu brechen gilt, um danach die Lebenspunkte zu reduzieren. Hier liefert The Banner Saga aber ein ganz eigenes strategisches Element: Die Angriffskraft ist direkt an den Wert der Lebenspunkte gekoppelt: Nimmt ein Held oder Feind Schaden, so teilt dieser in der nächsten Runde weit weniger aus!

Es gilt also, eine gute Balance zwischen Offensive und Defensive zu finden. Lässt man seine wendigen Charaktere ungeschützt vorstürmen, sind diese schon bald nur mehr so Furcht einflößend wie ein Sack Wattebällchen.

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Natürlich sind alle Charaktere des ersten Teils auch hier wieder vertreten. Doch bei maximal sechs Einheiten, die man in den Kampf mitbringen darf, gilt es gut zu wählen wen und vor allem was man mitnimmt.

Die Welt von The Banner Saga wird neben den Menschen auch von den Riesen, genannt Varl, bevölkert. Diese zeichnen sich im Kampf durch hohen Rüst- und Lebenspunktewert aus und haben damit ordentlich Wumms hinter dem Bart. Doch diese Riesen nehmen am Schlachtfeld mehr Platz ein, sind daher schwieriger zu positionieren und können schnell Flucht- oder Angriffswege von befreundeten Menschen einschränken.

Neben der Rasse hat aber jeder Held noch eine ganz eigene Klasse. Vom Bogenschützen, zum offensiven Speerträger bis hin zu den Magiern, den Mendern, gilt es abzuwägen: Was brauche ich? Und was ergänzt sich?

So ist es den Speerträgern zum Beispiel möglich, einen Feind aufzuspießen und ihn bluten zu lassen. Dieser Zustand fügt dem Feind immer dann Schaden zu, wenn er sich ein Feld bewegt. Das kann von den Varlkriegern ausgenutzt werden, welche Fähigkeiten haben, die den Feind wegdrängen können. Dazu gesellen sich auch Unterstützer wie die Skald, nordische Barden, die mit ihrem Gesang die eigenen Truppen beflügeln können, oder die bereits oben genannten Mender, welche Rüstung wiederherstellen können.

In rundenbasierter Manier gilt es, taktisches Geschick zu beweisen. Gefallene Helden können für die nächsten Schlachten nur eingeschränkt eingesetzt werden! © Versus Evil

In rundenbasierter Manier gilt es, taktisches Geschick zu beweisen. Gefallene Helden können für die nächsten Schlachten nur eingeschränkt eingesetzt werden! © Versus Evil

Wichtig ist auch hier immer gut acht auf seine eigenen Figuren zu haben – fallen diese im Kampf, haben sie für die nächsten Tagesreisen erhebliche Nachteile! Fällt der gesamte Trupp, muss der Kampf erneut begonnen werden, jedoch zeigt hier das Spiel Gnade und annulliert den ersten Misserfolg.

Echtes Führungspotenzial

Neben den Kämpfen geht es auf der Reise mit der Karawane wesentlich ruhiger zu. Gemächlich stapft die Menschenmasse hinter dem im Wind wehenden Banner her, während sich die absolut herrlich gestaltete Welt vor einem ausbreitet.

Doch das schöne Ambiente trügt – oft wird die Reise durch kurze Dialoge unterbrochen und der Spieler muss sich für verschiedene Handlungen entscheiden. Diese können die Moral steigern, neue Gegenstände freischalten, oder auch im Verlust Mitreisender, Verlust von Vorräten oder sogar in einem Kampf enden.

Dabei ist es oft ungewiss, welche Handlung zu welchem Ergebnis führt und so gestaltet sich jede Reise durch die nordischen Landschaften einzigartig. Auf der Reise wird auch öfter haltgemacht, um Vorräte zu kaufen, welche in einer Welt gebeutelt durch Krieg, nicht gratis kommen und nur in knapper Menge vorhanden ist.
Es ist ein ständiges Jonglieren zwischen Rasten, um die Moral aufrechtzuerhalten und rasches Vorankommen, um der immer geringer werdenden Zahl der Vorräte zu entkommen.

Malerische Landschaften ziehen einen in die Welt von The Banner Saga 2 © Versus Evil

Malerische Landschaften ziehen einen in die Welt von The Banner Saga 2 © Versus Evil

Hier präsentiert sich das auch vom ersten Teil bekannte Storytelling von der besten Seite. Oftmals muss man unangenehme Entscheidungen treffen und keine der unzähligen Entscheidungen ist jemals ohne Konsequenz. Ob man als Empath, oder mit eiserner Faust die Truppe anführt, bleibt ganz dem Spieler überlassen – doch man weiß nie, was hinter der nächsten Ecke auf einen lauert.

Nicht alles ist Gold, was glänzt

Leider hat der Konsolenport des Spiels ein richtig großes Manko: die Menüführung.

Besonders im Kampf ist die Tastenbelegung etwas kontraproduktiv gewählt und Markierungen schlecht platziert, sodass man sich selten sicher ist, was man wirklich attackiert und was sich überhaupt attackieren lässt.

Auch die neue Perspektive, die das Kampfgeschehen etwas flacher präsentiert, trägt nicht gerade dazu bei, seine Figuren zielsicher zu positionieren – und das ist bei The Banner Saga 2 leider unumgänglich. Ein falsch platzierte Varl und man kann nur mehr hilflos dabei zusehen wie vier Dredge auf ihn einschlagen, während der Rest der Armee hinter dem Riesen festsitzt. In solchen Momenten zeigt sich leider schmerzlich, dass die Benutzeroberfläche auf eine Maus ausgelegt wurde.

Fazit

Kenner des ersten Teiles wissen es: Mit The Banner Saga 2 findet man eine reichhaltige Story mit gut geschriebenen Charakteren, einer wahrhaftig kreativen und frischen Welt mit nordischem Feeling und ein tiefes und packendes Strategiespiel.

Atmosphäre ist hier dabei alles. Das Spiel bewegt sich langsam von einem Element zum nächsten und kann dem einen oder anderen etwas zu langatmig sein. Oftmals hat man 20 Minuten reine Dialoge vor sich, bevor man sich auf dem Schlachtfeld wiederfindet.
Dennoch packen einen die Charaktere, welche uns schon im ersten Teil ans Herz gewachsen sind und die zu kurz geratene Geschichte des ersten Teils bekommt endlich Platz sich voll zu entfalten.

Wer auf rundenbasierte Kämpfe und echte Männer mit Bärten steht, hat mit der The Banner Saga 2 ein ganz besonderes Juwel in der Hand!

 

Marc Reinmayr kann man den Nerd nicht absprechen: er ist Gamer, Rollenspieler, LARPer und Programmierer. Egal ob Retro oder Next-Gen, er verschlingt alles mit narrativem Mehrwert und lässt bei motherbot seinen Hobbys, Game-Analyse und Schreiben, freien Lauf.